Säure-Basen-Haushalt: Was hat es damit auf sich?

Im Zuge einer gesunden Lebensweise stolpert man nicht nur über Entgiftungskuren, sondern früher oder später auch über das Thema der Entsäuerung.  Hierbei handelt es sich um eine grundlegende Entgiftung des Gewebes und der Organe. Und je nach dem wie intensiv man herangeht auch auf Zellebene – intra- und extrazellulär. Erstmal möchte ich aber klären, was es mit einer Übersäuerung auf sich hat, wie es die Natur vorsieht und wie das Ergebnis unserer heutigen Lebensweise aussieht. Eine Anleitung gibt es in diesem artikel.

Was hat es mit dem ph-wert auf sich?

Die pH-Skala reicht von 0 bis 14, wobei 0 als sehr sauer gilt und 14 als sehr basisch/ alkalisch. Jedes Organ, sei es der Magen, der Darm oder die Haut (etc.), weist einen pH-Wert, also einen Säure-Grad auf. So hat der Magen einen eher sauren pH-Wert von etwa 1 bis 5 (je nach dem, ob morgens nüchtern oder gefüllt), die Haut hat einen pH-Wert von etwa 5,5 und ist damit auch eher sauer (hierzu kommt noch ein separater Artikel, möchte aber schon auf diesen Artikel verweisen) und der Darm weist je nach dem im Dünndarm einen pH-Wert von eher 8,0 und im Dickdarm wiederum ein saures Milieu von etwa 6,0 auf. Das Blut weist mit einem Wert von ca. 7,4 einen eher basischen Wert auf. So könnte man jedes Organ durchgehen. 
Nun kann man sich leicht vorstellen, dass bspw. die Haut mit einem leicht sauren Milieu eher geschädigt wird, wenn man mit starken Säuren oder aber mit stark alkalischen Mitteln sie behandelt. Denn nicht nur die Haut, sondern jedes Organ wie auch das Blut trachtet danach seinen pH-Wert wieder herzustellen. 

Beim Magen und Darm verhält es sich etwas anders. Denn wie sollten wir uns gesund ernähren, wenn der Magen sauer, der Dünndarm basisch und der Dickdarm wieder sauer ist? Heißt es, dass säurehaltige Lebensmittel für den Magen gesund sind und für den Darm wiederum schädlich? Bei Lebensmitteln, die wir zu uns nehmen, kommt ein entscheidender Prozess hinzu und zwar, wie wir sie verstoffwechseln.

Wie bestimmt man, ob ein Lebensmittel eher basisch oder eher säurebildend ist?

Ob wir ein Lebensmittel sauer oder basisch verstoffwechseln, hängt nicht mit der Säure zusammen, die es hat oder wie sauer es schmeckt. Sondern damit, was im Körper beim Verdauen und Verstoffwechseln passiert. Daher spricht man auch davon, ob ein Lebensmittel eher basenbildend oder säurebildend ist.

Sucht man im Netz nach Säure-Basen-Tabellen, die Lebensmittel entsprechend eingruppieren, findet man viele unterschiedliche. Auf manchen findet man sogar Lebensmittel, die als starke Säurebildner eingruppiert, die aber in anderen Tabellen als Basenbildner klassifiziert werden. Es gibt zwei Arten, um zu bestimmen wie hoch das Basenpotenzial des jeweiligen Lebensmittels ist. 

Dazu werden Lebensmittel verbrannt und die daraus entstanden Asche wird auf ihren Säure-Basen-Gehalt gemessen. Der Verbrennungsprozess soll dabei unserer Verdauung imitieren. Zusätzlich misst man den Anteil der säurebildenden Aminosäuren. Auf diesen beiden Verfahren sind auch die meisten Säure-Basen-Tabellen gegründet. 

Ich orientiere mich dabei an den Vorgaben von ZdG (Zentrum der Gesundheit), die die Lebensmittel auf acht Faktoren hin untersuchen und entsprechend einteilen. Letzten Endes empfehle ich jedem die unterschiedlichen Lebensmittel an sich selbst zu testen, da auch jeder Körper als individueller Organismus Lebensmittel unterschiedlich säurebildend verstoffwechselt. Ich möchte hier nicht auf alle acht eingehen, sondern auf die, die ich für zentral erachte. Hier könnt ihr die anderen nachlesen.

Neben dem Merkmal weniger säurebildenden Aminosäuren, wie Methionin und Cystein, ist der Gehalt an basischen Mineralstoffen wichtig. Hierzu zählen Magnesium, Calcium, Natrium, Eisen oder auch Kalium. Der Gehalt an Bitterstoffen zeigt, ob die körpereigene Basenbildung angeregt wird. Darüber hinaus beinhalten sie weitere Stoffe, die das Immunsystem stärken, entzündungshemmend wirken und die Darmgesundheit fördern. 

Teilt man so die Lebensmittel ein, sind auch Hülsenfrüchte, wie Linsen und Kichererbsen, säurebildend. Was aber nicht bedeutet, dass sie ungesund sind. 

Gute und schlechte Säurebildner

Ich möchte hier kein falsches Bild entstehen lassen: Säurebildner sind nicht per se schlecht! Es geht viel mehr darum, welche es sind. Denn es gibt auch gute Säurebildner wie Nüsse, Ölsaaten oder Dinkel. Möchte man sich entsäuern, so ist eine rein basische Ernährung als Kur empfehlenswert. Aber auch die sollte maximal drei Monate andauern. Nicht länger. Denn unser Organismus benötigt auch Säuren.  Zu den schlechten Säurebildnern, auf die unser Organismus gern verzichtet, zählen verarbeitete Produkte wie alle Fertigprodukte, Zucker, Kaffee, Alkohol, aber auch Fisch, Fleisch und Eier aus konventioneller Landwirtschaft, wie auch viele Milchprodukte. 

Säure-Basen-Haushalt – Was hat es nun damit auf sich?

Der menschliche Organismus trachtet danach sich immer wieder zu neutralisieren oder leicht im basischen Bereich zu sein. Obwohl wir die guten Säurebildner brauchen, da sie viele gute Nährstoffe haben, gibt es ein Verhältnis, dass für uns ideal erscheint. Und das ist das berühmte 80 zu 20 Verhältnis. 80% unserer Lebensmittel sollten idealerweise basisch sein und 20% säurebildend, aber auch nur die guten Säurebildner sind damit gemeint. Dann ernährt man sich basenüberschüssig und die Gesundheit bleibt in ihrer Balance. 

Was passiert, wenn wir zu viele Säurebildner zu uns nehmen?

Unser Organismus kann zu viele Säuren neutralisieren, er sorgt eben für seinen Säure-Basen-Haushalt. Dafür benötigt er vor allen Dingen basische Nährstoffe und Mineralien. Im Idealfall führen wir uns genügend zu, sodass das Gleichgewicht aufrecht erhalten werden kann. In der Realität sieht es leider anders aus. Wir ernähren uns nicht nur basenarm, sondern führen uns weitere umweltbedingte Säurebildner hinzu. Hierzu zählen eben auch wenig Schlaf, Stress, wenig Bewegung oder Umweltgifte etc. 

Die Folge von diesem Lebensstil ist eine Übersäuerung. Der Körper nimmt sich dort die Mineralstoffe zum Neutralisieren, wo sie weniger wichtig sind und schnell abgeholt werden können. Hierzu zählt bspw. auch der Haarboden. Die basischen Mineralien, die nachkommen, werden weiterhin zum Neutralisieren und für die wichtigsten Organe verwendet. Das Ergebnis zeigt sich dann in einem Säure-Basen-Ungleichgewicht. Das mündet dann früher oder später in Krankheiten. 

Nun stellt man sich vor, man hat zu viele Säuren im Körper. Was macht der Organismus damit?

Oberstes Ziel ist es, den pH-Wert des Blutes stabil zu halten. Damit die Säuren aber nicht umherschwirren, hat der Organismus die Möglichkeit diese einzulagern. Das macht er schön im Gewebe und es bilden sich Schlacken. 

Wenn aber die Säure-Flut nicht ausbleibt, es weiterhin an basischen Mineralien fehlt und das Gewebe als Speicher dann auch voll ist, bleibt dem Körper, um unser Blut zu schützen, nichts anderes übrig, als die Säuren nun ins innere unserer Zellen zu schleusen. Und dann kommen wir zu einer Übersäuerung auf hohem Niveau. Wenn wir einmal soweit sind, wird auch eine sanfte Entsäuerung auf der extrazellulären Ebene in unserer Gesundheit nicht mehr viel bewirken. Gesunde Zellen sind negativ geladen, kranke positiv. Basische Mineralien sind hingegen wiederum positiv geladen. Und bekanntlich stoßen sich gleiche Ladungen ab, sodass übersäuerte Zellen mit den basischen Mineralien nicht mehr reagieren. 

Wieso soll ich entsäuern?

Nun, wir können also einerseits auf der zelläußeren Ebene entsäuern oder auf der zellinneren Ebene. Das hängt natürlich vom Grad der Übersäuerung ab. Der Sinn einer Entsäuerung liegt ganz klar in unserer Gesundheit. Und wenn man noch skeptisch ist, ob man überhaupt übersäuert ist, muss man sich keine teuren Präparate kaufen, um sich zu testen. Ich mache es mit pH-Teststreifen. Man kann morgens einen in seinen Urin halten und leicht ablesen, wie es um einen steht. Gerade wenn man anfängt zu experimentieren, wie z.B. mit Kaffeeabstinenz, kann man seinen Körper besser kennenlernen und schauen, ob man selbst Kaffee tatsächlich so säurebildend verstoffwechselt. Oder auch bei Milch. Das heißt nicht, dass man sich nun täglich kontrollieren sollte. Ich habe es tatsächlich während meiner Entsäuerung gemacht, weil ich so neugierig war. Ich habe bspw. gelernt, dass mein Körper selbst veganes Sushi, was durch den Reis schon gar nicht basisch ist, sehr stark säurebildend verdaut. 

Der Sinn einer regelmäßigen Entsäuerungskur liegt auch darin, dass man es erst gar nicht zu einer intrazellulären Übersäuerung kommen lässt. Man kann dann zwar immer noch viel schlemmen, hilft sich aber durch das Basenfasten enorm, die zugeführten Säuren wieder auszuleiten. 

Woran erkenne ich, dass ich übersäuert bin? 

Was sind die Folgen einer Übersäuerung? Nun, ich habe schon die pH-Teststreifen erwähnt, die einen guten Anhaltspunkt dafür bieten, ob man übersäuert ist oder nicht. Wichtig ist hierbei, dass man idealerweise mehrmals am Tag und mehrere Tage hintereinander misst, damit man einen Mittelwert erhält. Denn insbesondere über Nacht entsäuert unser Körper und scheidet die Säuren mit unter auch über unsern Urin aus. Daher ist es wichtig, wie der Körper am Tag mit den Säuren umgeht. 

Weitere Hinweise für eine Übersäuerung können sein: Haarausfall, brüchige Nägel, Müdigkeit, Migräne, Hautprobleme, Übergewicht, Osteoporose oder Zahnprobleme. Die beiden letzten erklären sich durch die angegriffenen Calcium-Reserven, die angebrochen werden, um Säuren zu neutralisieren und auszuleiten. 

Das Schlimme an der Übersäuerung ist vor allen Dingen, dass man bei vielen Symptomen nicht daran denkt übersäuert zu sein. Und man sucht an ganz anderen Ecken. Daher ist es wichtig, sich selbst näher kennenzulernen und bei Veränderungen, wie z.B. Haaren, Nägel und Haut, auf sein Bauchgefühl zu hören und mit einpaar einfachen Maßnahmen dagegen zu arbeiten. Den eigenen Organismus zu beobachten, wie man auf unterschiedliche Lebensmittel reagiert, aber auch, was uns gut tut und was uns eher schadet. 
 



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